Sir Simon Rattle dirigiert Mozart in Luzern

Als Sir Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker beim Lucerne Festival 2013 die letzten drei Mozart-Symphonien präsentierten, war der Rezensent der Neuen Zürcher Zeitung überrascht, »wie neu das Immer-Gleiche« klingen könne. Tatsächlich gab sich Mozarts Musik – aufgeführt in kleiner Besetzung – luftig und voller Esprit, wobei unter anderem die Pauke immer für klare Konturen sorgte. Eine Lesart, die Begeisterung auslöste und einmal mehr zeigte, dass historische Aufführungspraxis für Rattle kein Fremdwort ist.

»Kein Auftrag mehr, keine unmittelbare Absicht, sondern Appell an die Ewigkeit«, habe Mozart dem Musikwissenschaftler Alfred Einstein zufolge zur Komposition seiner letzten drei Symphonien veranlasst. Bis heute hält sich hartnäckig das verklärende Bild eines Götterlieblings, der sich in diesen Werken ein symphonisches Denkmal setzen wollte. Dabei ist es wahrscheinlich, dass Mozart die Symphonien dezidiert für drei »Academien im Casino« schrieb, die er in einem Brief an den Freund und Logenbruder Michael Puchberg erwähnte.

Zweifelsfrei schuf der Komponist mit ihnen Gipfelwerke der klassischen Symphonik. Es scheint, als hätte er hier die ganze Bandbreite dessen zeigen wollen, was ihm an künstlerischen Mitteln zur Verfügung stand. Die drei Stücke unterscheiden sich fundamental voneinander: Die Es-Dur-Symphonie führt in den romantisch gefärbten Worten E.T.A. Hoffmanns »in die Tiefen des Geisterreichs«. Die Musik berühre ungeachtet ihrer erstaunlichen Strahlkraft und ihres Temperaments auch den Bereich des Düsteren und Dämonischen – »Furcht umfängt uns; aber ohne Marter, ist sie mehr Ahnung des Unendlichen«. Die beliebte g-Moll-Symphonie erweist sich demgegenüber als ein Musterbeispiel perfekter Balance, – zwischen zwei dramatisch aufgeladenen Moll-Sätzen wirkt das Andante wie eine lyrische Insel. Die Jupiter-Symphonie wiederum wartet mit einer kompositorischen Meisterschaft auf, die wie die Quintessenz all dessen anmutet, was zu Mozarts Lebzeiten in der Instrumentalmusik überhaupt möglich erschien.

Berliner Philharmoniker
Sir Simon Rattle

© 2013 Accentus Music

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Künstler*innen

Sir Simon Rattle Chefdirigent 2002–2018
Wolfgang Amadeus Mozart Komponist

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