Paavo Järvi und Christian Tetzlaff
»Höre nach innen und gib dir Zeit« – mit dieser Haltung macht sich der Geiger Christian Tetzlaff an die Interpretation des Zweiten Violinkonzerts von Dmitri Schostakowitsch. Das Werk ist ein faszinierendes Beispiel für den Spätstil des Komponisten. Filigran entspinnt sich hier der Dialog zwischen Orchester und Geige, ehe beide in ein tänzerisches Finale taumeln. Einen Kontrast bildet Sergej Prokofjews Fünfte Symphonie, verfasst als »Hymne auf den freien und glücklichen Menschen«. Paavo Järvi dirigiert.
»Als wir in Estland aufwuchsen«, erklärte Paavo Järvi einmal, »war Arvo [Pärt] für mich und meine Schwester der coole Freund unseres Vaters«. Die frühe Bekanntschaft des Dirigenten mit dem Komponisten entwickelte sich zu einer engen künstlerischen Partnerschaft. In Paris dirigierte Järvi 2010 die Uraufführung der ihm gewidmeten Tondichtung Silhouette. Das Werk, das den eingängig-suggestiven Stil des mittlerweile über 90-jährigen Pärt idealtypisch repräsentiert, wurde durch die Architektur des Eiffelturms inspiriert.
Wie das häufiger aufgeführte Erste Violinkonzert von Dmitri Schostakowitsch, ist auch das Zweite, das Christian Tetzlaff mit den Philharmonikern präsentiert, dem großen Geiger David Oistrach gewidmet. Schostakowitsch hatte ihm das Konzert zum 60. Geburtstag schenken wollen. Allerdings verrechnete er sich, sodass Oistrach es 1967 bereits im Alter von 59 Jahren uraufführte – zum tatsächlich runden Jubiläum schenkte er ihm dann eine Violinsonate. Das Konzert ist von einem nachdenklichen, mitunter sogar schwermütigen Gestus geprägt. Die ersten beiden Sätze enden leise, der letzte abrupt, und nur für den Allegro-Teil des Finales hat Schostakowitsch ein schnelles Tempo vorgeschrieben. Alle Sätze enthalten Kadenzen, in denen der Solist das Material auf mal meditative, mal virtuose Weise verarbeitet.
Neben der Symphonie classique ist die Fünfte Sergej Prokofjews bekanntester Beitrag zu dieser Gattung. Traditionell viersätzig angelegt, finden sich im Idiom Prokofjews auch Stilelemente aus der Blütezeit der Symphonik. So ist der zweite Satz eine originelle Variation des klassisch-romantischen Scherzos mit seiner A-B-A-Struktur. Auch wenn in den Ecksätzen düstere Momente nicht fehlen, wirkt das Werk, das am Ende des Zweiten Weltkriegs uraufgeführte Werk niemals martialisch. »Giocoso«, also freudig und spielerisch, soll das Finale klingen. Den »freien und glücklichen Menschen« konnte sich Prokofjew nur als einen vorstellen, dessen Fantasie sich im Spiel entfaltet.
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