Konzert

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Auf die Frage, wie er komponiere, antwortete Maurice Ravel einmal: »Wie ein Maurer eine Wand errichtet! Ich schreibe eine Note, dann eine zweite und vielleicht eine dritte. Nun versuche ich herauszufinden, was daraus wird ...« Ravels Maurerkelle war das Klavier. Ohne das ließen sich seiner Meinung nach »keine neuen Harmonien erfinden«. Dass er eine Reihe seiner Kompositionen für dieses Instrument in einem zweiten Schritt (und teilweise erst mit beträchtlichem zeitlichem Abstand) orchestrierte, zeigt, dass Ravel von der satztechnischen Bauweise seiner Arbeiten voll und ganz überzeugt sein musste, bevor er sie den schillernden Farben eines Orchesterapparats überantwortete. Aufgrund der Sorgfalt und Meisterschaft, die er auch im instrumentatorischen Bereich walten ließ und die ihn zu einem der großen Klangzauberer des 20. Jahrhunderts machten, stellen die Orchesterwerke, die Ravel auf der Grundlage von eigenen Klavierstücken schrieb, künstlerische Neuschöpfungen dar, die gleichberechtigt neben den jeweiligen Klavierfassungen stehen.

Zwei der hinreissendsten Beispiele für Ravels unorthodoxe Arbeitsmethode hat der in London und Rom höchste musikalische Ämter bekleidende Dirigent Sir Antonio Pappano auf dieses Programm der Berliner Philharmoniker gesetzt. Im Rahmen eines Klavierzyklus komponiert, wurden die Sätze Une Barque sur l’océan und Alborada del gracioso von einem mit Ravel befreundenden Pianisten uraufgeführt, bevor der Komponist ihnen später prachtvolle Orchesterfassungen folgen ließ. An Ravels eine Komponistengeneration älteren Landsmann Henri Duparc erinnert man sich heute fast nur noch aufgrund einer 1872 veröffentlichten Baudelaire-Vertonung. Zu seinen Lebzeiten galt Duparc, der auch als Mitbegründer der Société Nationale de Musique in Erscheinung trat, hingegen als einer der wichtigsten Vertreter französischer Musik.

Die Sopranistin Véronique Gens, deren breitgefächertes Repertoire von Monteverdi über Mozart bis hin zu Berlioz und Poulenc reicht, ist dafür bekannt, immer wieder auch in Vergessenheit geratenen Komponisten ihre Stimme zu leihen – und lädt im weiteren Programmverlauf dazu ein, neben Duparcs Invitation au voyage auch noch weitere Liedschöpfungen des 1933 verstorbenen Komponisten kennenzulernen. Der zweite Teil des Abends steht dann im Zeichen russischer Musik: Die Phantasmagorien, die in Modest Mussorgskys Symphonischer Dichtung Eine Nacht auf dem kahlen Berge orchestrale Gestalt annehmen, treffen auf die Klangfarbenorgien von Alexander Skrjabins Poème de l’extase.

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