26. Sep 2020

Berliner Philharmoniker
Lahav Shani

Francesco Piemontesi

  • Wolfgang Amadeus Mozart
    Konzert für Klavier und Orchester Nr. 27 B-Dur KV 595 (33 Min.)

    Francesco Piemontesi Klavier

  • Wolfgang Amadeus Mozart
    Klaviersonate Nr. 12 in F-Dur KV 332: Adagio (6 Min.)

    Francesco Piemontesi Klavier

  • Robert Schumann
    Symphonie Nr. 1 B-Dur op. 38 »Frühlingssymphonie« (37 Min.)

  • kostenlos

    Interview
    Lahav Shani im Gespräch mit Amihai Grosz (15 Min.)

Doppeltes Debüt mit zwei Shootingstars: Lahav Shani, als Nachfolger von Zubin Mehta Musikdirektor des Israel Philharmonic Orchestra sowie Chefdirigent des Philharmonischen Orchesters Rotterdam, und der Pianist Francesco Piemontesi, der als einer der interessantesten Mozart-Interpreten seiner Generation gilt. An diesem Abend stellt er sich mit dem letzten Klavierkonzert des Wiener Klassikers vor. Symphonisches Hauptwerk ist die Erste Symphonie von Robert Schumann, die der frisch verheiratete Komponist in einer euphorischen Aufbruchsstimmung schrieb.

Frühlingssehnsucht

Während ein Komponist mit höfischer Anstellung im 18. Jahrhundert vor allem den Geschmack seines Dienstherrn befriedigen musste, stand ein freischaffender Künstler vor einer ungleich komplexeren Aufgabe. Denn das überwiegend bürgerliche Publikum der ersten öffentlichen Konzerte vereinte gleichermaßen eingefleischte Kenner und unbedarfte Liebhaber. »Um Beifall zu erhalten«, erklärte Wolfgang Amadeus Mozart daher seinem Vater, »muss man Sachen schreiben, die so verständlich sind, dass es ein Fiaker nachsingen könnte, oder so unverständlich, dass es ihnen, eben weil es kein vernünftiger Mensch verstehen kann, gerade eben deswegen gefällt.«

Diese Strategie konnte Mozart beim Wiener Publikum besonders gut in der Doppelrolle als Komponist und Solist mit seinen Klavierkonzerten erproben – einer Gattung, die er fast ohne Vorbilder wie kein anderer in rund zwei Dutzend Werken gestaltet hat. Das am 5. Januar 1791 vollendete Konzert in B-Dur sollte – er konnte es nicht ahnen – sein letztes sein. Geprägt von anmutiger Einfachheit, wie sie nur ein Mozart riskieren konnte, schließt es mit einem verspielten Rondo über das Lied Sehnsucht nach dem Frühling (mit dem Text »Komm, lieber Mai, und mache die Bäume wieder grün«).

Fünfzig Jahre später skizzierte Robert Schumann im glühenden »Frühlingsdrang« in nur vier Tagen seine Erste Symphonie. Dabei hatten ihn zuvor lange heftige »Symphonieskrupel« geplagt, Beethovens Erbe wog schwer. Der lähmende Knoten platzte 1839 auf einem Wiener Dachboden, wo Schumann in Franz Schuberts Nachlass dessen sogenannte »Große« C-Dur-Symphonie entdeckte – und in ihr eine »ganze neue Welt«. Als er das Stück in einer Probe hörte, gestand er seiner Verlobten Clara Wieck: »Ich wünschte nichts, als Du wärest meine Frau und ich könnte solche Symphonien schreiben.«

Beides war leichter gesagt als getan, denn Claras Vater Friedrich Wieck versuchte nach Kräften, die Hochzeit des Paares zu verhindern. Ein mittelloser Komponist, der seiner bereits als Pianistin berühmten Tochter nichts zu bieten hatte, kam für ihn als Bräutigam nicht in Frage. Das Prestige eines erfolgreichen Debüts als Symphoniker hätte Schumann in dieser Hinsicht fraglos genutzt. Doch so schnell wollte ihm der große Wurf nicht gelingen. Stattdessen zog er gegen Wieck vor Gericht – und gewann.

Die hart erkämpfte Hochzeit im Herbst 1840 brachte schließlich den finalen Motivationsschub, dem die vom heiter gelösten Aufbruchstonfall geprägte »Frühlingssymphonie« entsprang, wie Schumann seine Erste taufte. Der an Schuberts C-Dur-Symphonie erinnernden Anfangsfanfare unterlegte er rhythmisch das Motto »O wende, wende deinen Lauf / Im Tale blüht der Frühling auf!«. Noch schwelten letzte Skrupel. Bevor er sich mit seinem symphonischen Erstling den hohen Erwartungen des Leipziger Publikums stellte, sicherte sich Schumann durch die Beratung mit Freunden wie Felix Mendelssohn ab, feilte, verbesserte – mit Erfolg! Schumanns Erste bescherte ihrem glücklichen Verfasser überschwänglichen Jubel und läutete zugleich einen neuen Frühling der Symphonik ein.

Susanne Ziese

Explosiv, dynamisch, leidenschaftlich – so beschreibt die Presse den Musizierstil von Lahav Shani, der in diesen Konzerten sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern gibt. 1989 in Tel Aviv als Sohn eines Kantors und Chorleiters geboren, zeigte sich schon früh seine musikalische Begabung. Lahav Shani ist ausgebildeter Pianist, Kontrabassist und Dirigent. Er studierte zunächst bei Arie Vardi an der Buchmann-Mehta-Musikschule in seiner Heimatstadt und später an der Musikhochschule »Hanns Eisler« in Berlin, wo er Schüler von Christian Ehwald (Dirigieren) und Fabio Bidini (Klavier) war. Inspirierend sei für ihn – so Lahav Shani – zudem der Besuch von Proben und Konzerten gewesen. Hier habe er sich von den großen Dirigenten unserer Zeit das Rüstzeug für den Beruf abgeschaut. Und er fand unter ihnen zwei wichtige Mentoren: Daniel Barenboim und Zubin Mehta. Den Startschuss für seine internationale Karriere gab 2013 der Sieg beim Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb in Bamberg. Seit 2018 ist Lahav Shani Chefdirigent des Philharmonischen Orchesters Rotterdam, mit Beginn dieser Saison wurde er zudem Musikdirektor des Israel Philharmonic Orchestra an, bei dem er im Alter von 16 Jahren als Pianist debütiert hatte. Er tritt damit die Nachfolge von Zubin Mehta an, der das Orchester mehr als fünf Jahrzehnte lang geleitet hat.

Zu Francesco Piemontesis frühesten Kindheitserinnerungen gehört ein Spaziergang mit den Eltern, bei dem er zum ersten Mal den Klang von Kirchenglocken hörte. Überwältigt von dem Erlebnis, setzte er sich zu Hause ans Klavier, um darauf den Glockenklang zu imitieren. »Mich hat es schon immer interessiert, dem Klang nachzuspüren. Darum bin ich Musiker geworden«, meint der Pianist. 1983 in Locarno geboren, studierte er in Lugano sowie in Hannover bei Arie Vardi. Wichtig wurde die Begegnung mit Alfred Brendel, der Francesco Piemontesis menschliche und künstlerische Entwicklung entscheidend beeinflusste: »Sein Unterricht war eine Schule des Hörens, ein Ausloten des Klangs.« Weitere maßgebliche Impulse empfing er von Murray Perahia und Alexis Weissenberg. Der Preisträger mehrerer internationaler Wettbewerbe wie des Concours Reine Elisabeth in Brüssel gehört dank seines kultivierten, farbenreichen Spiels zu den führenden Pianisten seiner Generation. Er gilt als herausragender Mozart-Interpret, doch sein Repertoire reicht von der Wiener Klassik bis zur zeitgenössischen Musik. 2015 debütierte er mit einem Klavierabend in den Veranstaltungen der Stiftung Berliner Philharmoniker, nun ist er erstmals als Solist beim Orchester zu Gast. »Ich kenne die Aufnahmen der Berliner Philharmoniker seit meiner Kindheit. Ich freue mich sehr, nun mit ihnen auftreten zu dürfen.«

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