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Feuerwerke

Die Anstellung als Kapellmeister des Fürsten Nikolaus I. Esterházy bedeutete für Joseph Haydn nicht nur ein gesichertes Einkommen, sondern auch künstlerische Isolation. Der Hofstaat residierte in den Sommermonaten zunächst im österreichischen Eisenstadt und nach 1766 auch regelmäßig im ungarischen, etwa hundert Kilometer von Wien entfernten Fertőd. Hier hatte sich der Fürst ein im Familienbesitz befindliches Jagdschlösschen zu einem prachtvollen Rokokobau erweitern lassen. »Ich war von der Welt abgesondert«, erinnerte sich Haydn später, doch gerade dieser Umstand bot ihm die Möglichkeit für kompositorische Experimente, denn »niemand in meiner Nähe konnte mich an mir selbst irre machen und quälen, und so musste ich original werden.«

Haydn hatte Glück, der Fürst und das kleine höfische Publikum begeisterten sich für seinen kreativen Mut, der besonders in seinen zahlreichen Symphonien hörbar wird. In der um 1768 komponierten Symphonie Nr. 59 spielt Haydn mit extremen dynamischen Kontrasten, und als Überraschungseffekt lässt er kurz vor Schluss des grazilen Andantes plötzlich die Hörner fortissimo ins Geschehen hineinschmettern. Zum Auftakt der Symphonie erklingt ein energisches Sprungmotiv, eine originelle Initialzündung, die den furiosen Kopfsatz anheizt – kein Wunder, dass ein Zeitgenosse Haydns das Werk »Feuersymphonie« taufte.

Im Windschatten des Erfolgs von Haydns 1798 in Wien uraufgeführter Schöpfung komponierte Ludwig van Beethoven die thematisch verwandte Ballettmusik zu Die Geschöpfe des Prometheus. Im Zentrum steht hier der Titan Prometheus – wörtlich der »Vorausdenkende« –, der den Göttern das Feuer stiehlt, um mit seiner Hilfe den Menschen Leben und Zivilisation zu schenken. Der antike Mythos hätte von kaum größerer Aktualität sein können, denn wohl jeden erinnerte der rebellische Prometheus seinerzeit an Napoleon Bonaparte. Beethoven ging es nicht anders, was man auch daran sieht, dass er zwei Jahre später das Thema des Ballett-Finales in seine (zunächst) dem bewunderten französischen Heeresführer gewidmete »Eroica« übernahm.

Das von Salvatore Viganò choreografierte Handlungsballett – ein innovatives Genre, das dem eher pantomimisch-statischen Ballett alten Stils in Wien Konkurrenz machte – rückte jedoch nicht Prometheus in den Fokus, sondern, dem Titel gemäß, dessen Geschöpfe. Aus Ton geformt, erweckt der Götterfunke die beiden ersten Menschen zum Leben. Empfindung und Vernunft können sie jedoch nur durch die Künste erlernen, was letztlich Apollo, Bacchus und die Musen zu den eigentlichen Helden macht. Wer jedoch damals einen fröhlichen Musenreigen zu dezenter Klangkulisse erwartete, kannte den Komponisten schlecht. Wie schon in seiner Ersten Symphonie ließ Beethoven die Ouvertüre selbstbewusst eigenwillig mit einem spannungsgeladenen, nach Auflösung strebenden Akkord beginnen. »Alles ist für ein Divertissement, was denn doch das Ballett eigentlich sein soll, zu groß angelegt«, mäkelte denn auch ein Kritiker nach der Uraufführung. Doch für Beethoven war die humanistische Erziehung durch die (Ton-)Kunst zweifelsfrei eine sehr ernste Angelegenheit – und eben keine leichte Muse.

Susanne Ziese

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