Paavo Järvi und Igor Levit mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 5

06. Mär 2021

Berliner Philharmoniker
Paavo Järvi

Igor Levit

  • Ludwig van Beethoven
    Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 Es-Dur op. 73 (39 Min.)

    Igor Levit Klavier

  • Sergej Prokofjew
    Symphonie Nr. 6 es-Moll op. 111 (42 Min.)

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    Interview
    Paavo Järvi und Igor Levit im Gespräch (14 Min.)

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    Interview
    Paavo Järvi im Gespräch mit Raphael Haeger (15 Min.)

Die einsetzende Schwerhörigkeit und später fast vollständige Ertaubung haben Beethoven bekanntlich nicht von der Komposition zahlreicher Meisterwerke, aber doch von der Vollendung weiterer Klavierkonzerte nach seinem Fünften abgehalten. Denn die Werke dieser Gattung schrieb Beethoven vor allem für seine eigenen Auftritte als Pianist. Das Vierte Klavierkonzert hat Beethoven noch selbst interpretiert, bei der Uraufführung seines Fünften übernahm bereits sein Meisterschüler Carl Czerny den Solopart. Das in der heroischen Tonart Es-Dur notierte Konzert bildet einen würdigen Abschluss der Werkgruppe. Die Leidenschaft und der Aufruhr der Ecksätze, die einen der innigsten langsamen Sätze Beethovens einrahmen, ist immer wieder mit der politischen Situation der Entstehungszeit assoziiert worden: Der Krieg zwischen Österreich und Frankreich führte 1809 zur Besetzung Wiens durch die Truppen Napoleons. Igor Levit, einer der führenden Beethoven-Interpreten unserer Zeit, tritt nach einem ersten gemeinsamen Konzert mit den Philharmonikern bei den Osterfestspielen Baden-Baden 2015 nun erstmals mit dem Orchester in Berlin auf.

Sergej Prokofjew wurde 1936 nach seiner endgültigen Rückkehr aus dem Ausland in seiner inzwischen von den Sowjets regierten Heimat mit Ehren empfangen, als größter Komponist gefeiert und mit mehreren Stalin-Preisen ausgezeichnet. Mit der gnadenlos durchgesetzten Doktrin des »sozialistischen Realismus« änderte sich die Situation allerdings auch für ihn. War die Uraufführung der Sechsten Symphonie 1947 noch erfolgreich gewesen, so wurde sie wenig später von der Kulturbürokratie mit dem üblichen Etikett des »Formalismus« versehen und als »chaotisch« verurteilt. Das Verdikt hat zweifellos zu dem Schattendasein beigetragen, das die Symphonie bis heute im Konzertalltag führt. Die ungewöhnlich expressive und dramaturgisch mitreißend gestaltete Komposition spielen die Berliner Philharmoniker in diesem Konzert unter der Leitung von Paavo Järvi, der seit vielen Jahren regelmäßig mit dem Orchester auftritt.

Paavo Järvi, Jahrgang 1962, stammt aus Tallinn, der Hauptstadt Estlands, und studierte an der dortigen Musikhochschule Schlagzeug und Dirigieren. 1980 siedelte er in die USA über und setzte seine Ausbildung am Curtis Institute of Music in Philadelphia sowie am Los Angeles Philharmonic Institute bei Leonard Bernstein fort. Nach Positionen bei der Königlichen Philharmonie Stockholm und beim City of Birmingham Symphony Orchestra war Paavo Järvi von 2001 bis 2011 Chefdirigent des Cincinnati Symphony Orchestra, dem er noch als »Music Director Laureate« verbunden ist. 2004 übernahm er die künstlerische Leitung der Kammerphilharmonie Bremen; von 2006 bis 2013 stand er zudem an der Spitze des hr-Sinfonieorchesters Frankfurt, bevor er von 2010 bis 2016 als Musikdirektor das Orchestre de Paris leitete; 2010 gründete er das Estonian Festival Orchestra, das er ebenfalls leitet. Seit der Spielzeit 2015/2016 ist Paavo Järvi Chefdirigent des NHK Symphony Orchestra in Tokio, mit der Spielzeit 2019/2020 übernahm er dieses Amt auch beim Tonhalle-Orchester Zürich. Er ist zudem ein gerngesehener Gast bei renommierten Orchestern wie dem Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam, dem Philharmonia Orchestra London und den Münchner Philharmonikern. Auch am Pult der Berliner Philharmoniker, bei denen er im Februar 2000 debütierte, ist er regelmäßig zu erleben; zuletzt dirigierte er das Orchester Ende Januar 2020, auf dem Programm standen Berliozʼ Symphonie fantastique und die Uraufführung des Hornkonzerts von Hans Abrahamsen. Besonderes Engagement zeigt der Dirigent für die Musik estnischer Komponisten, beispielsweise von Arvo Pärt, Erkki-Sven Tüür, Lepo Sumera und Eduard Tubin.

Igor Levit setzt mit seiner technischen Brillanz, Kultiviertheit des Tons und intellektuellen Durchdringung der Werke Maßstäbe; darüber hinaus ist er für sein gesellschaftspolitisches Engagement bekannt. 1987 im russischen Gorki (heute: Nischni Nowgorod) geboren, übersiedelte er 1995 mit seiner Familie nach Hannover. 2005 erhielt er als jüngster Teilnehmer beim Internationalen Arthur-Rubinstein-Wettbewerb in Tel Aviv gleich vier Preise. Sein Klavierstudium an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover schloss Igor Levit mit der höchsten je erzielten Punktzahl ab. Bei seinen Klavierabenden – in der Kölner Philharmonie, dem Wiener Musikverein, der Wigmore Hall, London, und bei Festivals wie dem Klavierfestival Ruhr, dem Rheingau Musik Festival und in Luzern – widmet er sich besonders den großen Klavierzyklen sowie dem Sonatenwerk Beethovens, das er im September 2020 auch beim Musikfest Berlin präsentierte. Als Konzertsolist gastierte Levit u. a. beim Budapest Festival Orchestra (Iván Fischer), dem Cleveland Orchestra (Franz Welser-Möst), dem London Philharmonic Orchestra, der Staatskapelle Dresden, den Wiener Philharmonikern und dem WDR-Sinfonieorchester (Krzysztof Urbański). Mit den Berliner Philharmonikern trat er erstmals im April 2015 im Rahmen der Osterfestspiele in Baden-Baden mit Schumanns a-Moll-Klavierkonzert unter der Leitung von Riccardo Chailly auf. 2019 wurde Igor Levit zum Professor für Klavier an seine Alma Mater, die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, berufen.

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