Semyon Bychkov und Víkingur Ólafsson
Während die Napoleonischen Kriege tobten, schuf Ludwig van Beethoven eines seiner strahlendsten Werke: Das Fünfte Klavierkonzert – hier interpretiert von Víkingur Ólafsson – trotzt mit seinem heroischen Optimismus den Herausforderungen der Zeit. Anschließend dirigiert Semyon Bychkov die Fünfte Symphonie von Dmitri Schostakowitsch, entstanden im Schatten des stalinistischen Terrors. Auf den ersten Blick triumphal, offenbart sie eine ironische Doppeldeutigkeit – ein Werk, das Jubel vortäuscht und ihn zugleich untergräbt.
1809: Beethoven ist fast ganz ertaubt und vom Kriegsgeschehen um Wien erschüttert. Seine einstige Bewunderung für Napoleon ist in bittere Ablehnung gekippt. Was wird nun aus den Idealen der Französischen Revolution, Freiheit und Brüderlichkeit, an die der Komponist als junger Mann geglaubt hat? Für sein Klavierkonzert Nr. 5 wählte Beethoven die Eroica-Tonart Es-Dur. Mit einer erhabenen Kadenz eröffnet das Klavier selbstbewusst den ersten Satz, er ist geprägt von einem stolzen Marsch-Charakter. Das innige Adagio – einer der bewegendsten langsamen Sätze der Klavierliteratur – schwebt wie ein himmlisches, Trost spendendes Idyll in der Mitte des Werks. Das nach einer spannungsvollen Überleitung unmittelbar anschließende Finale versprüht unbändige, fast schon überdrehte Freude. »Nicht wie ein Lächeln, sondern wie ein Grinsen muss das gespielt werden«, meinte einmal Lars Vogt, »der Mensch ist zur Freiheit geboren. Und die Freiheit – man kann sie erkämpfen«. Víkingur Ólafsson präsentiert sich nach seinem Debüt mit dem originellen Klavierkonzert von John Adams nun mit einem beliebten Standardwerk des Repertoires.
Auch in Beethovens etwa zeitgleich entstandener Coriolan-Ouvertüre, die das Programm eröffnet, geht es um einen zwielichtigen – und am Ende gebrochenen – Helden. In der zweiten Hälfte folgt Dmitri Schostakowitschs Fünfte Symphonie, die an Vielschichtigkeit kaum zu übertreffen ist und Antwort auf die Frage gibt, wie ein Künstler unter Lebensgefahr Protest ausdrücken kann. Dem Komponisten gelang hier 1937 – bereits im Visier des Regimes – ein Geniestreich: Während er nach außen hin eine Anpassung an die Ästhetik der Sowjetdiktatur vortäuscht, verzerrt er heldenhafte Elemente wie Marschrhythmen zu grotesken Karikaturen. Dirigent der Aufführung ist Semyon Bychkov, ein Schostakowitsch-Experte mit besonderem Feingefühl für die existentielle Dringlichkeit dieser Musik.
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