Kirill Petrenko und Yuja Wang

Kirill Petrenko und Yuja Wang

Berliner Philharmoniker
Kirill Petrenko

Yuja Wang

  • Anatolij Konstantinovic Ljadow
    Der verzauberte See, Legende für Orchester op. 62

  • Sergej Prokofjew
    Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 C-Dur op. 26

    Yuja Wang Klavier

  • Franz Schmidt
    Symphonie Nr. 4 C-Dur

Anatoli Ljadow war ein brillanter Klangfarbenzauberer, der die schillernde Farbpalette des großen romantischen Symphonieorchesters zu nutzen wusste wie nur wenige. Allerdings war er in sich gekehrt, selbstkritisch, menschenscheu – und stinkfaul. Nikolaj Rimsky-Korsakow, der Ljadow wegen dessen ans Märchenhafte grenzender Arbeitsscheu als wahren Oblomow der russischen Musik beschrieb, warf ihn 1876 aufgrund »mangelnder Anwesenheit« aus dem Konservatorium, nahm ihn aber zwei Jahre später wieder auf. Begründung: »Er ist einfach zu talentiert!« Zweifellos verstand Ljadow sein Fach, was nicht nur seine irisierende Symphonische Dichtung Der verzauberte See beweist. Mit diesem rund achtminütigen »Märchenbild« für Orchester, an dem der Komponist annähernd zwei Jahre lang arbeitete, leitet Kirill Petrenko diese philharmonischen Konzerte ein.

Weiterhin vertreten: die Vierte Symphonie des österreichischen Komponisten Franz Schmidt, der als Cellist im Wiener Hofopernorchester die Ära Mahler miterlebte und sich später erinnerte: »Mahlers Direktion brach wie eine Naturkatastrophe über die Oper herein: Ein Erdbeben von enormer Kraft und Dauer erschütterte das Gebäude in seinen Grundfesten. Alles, was alt, veraltet oder in schlechtem Zustand war, geriet unter die Räder und war für immer verloren. Danach begann in Wien eine der schillerndsten musikalischen Perioden, die die Stadt je erlebt hatte.« Schmidt komponierte seine symmetrisch konzipierte Vierte viele Jahre später – nach dem Tod seiner einzigen Tochter: Klänge, die von Abschied und schmerzlicher Liebe erfüllt sind. Am Anfang steht ein resignatives Motto der Solotrompete, das Schmidt als die »letzte Musik« bezeichnete, »die man ins Jenseits hinübernimmt, nachdem man unter ihren Auspizien geboren wurde und gelebt hat«. Nach einem breiten passionato-Thema, mit dem in den Worten des Komponisten »das ganze Leben noch einmal vorüberzieht«, folgt als Trauermarsch für die verstorbene Tochter ein bewegendes Adagio. Das Scherzo endet erklärtermaßen in der »Katastrophe«, während in der abschließenden Reprise des Kopfsatzes, so Schmidt, »alles gereifter und verklärter« erscheint.

Zwischen den beiden genannten Werken hat Kirill Petrenko Sergej Prokofjews klassizistisches Drittes Klavierkonzert aufs Programm gesetzt, das (ähnlich der Pulcinella-Musik von Igor Strawinsky) nach einer modernisierten Stilkopie alter Meister klingt. Den Solopart übernimmt Yuja Wang, die ihre Finger bisweilen in atemberaubender Schnelligkeit über die Klaviertasten tanzen lässt. Kein Wunder, dass manche meinen, sie »müsse mehr als zwei Hände haben« (Die Zeit).

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