The Berlin Phil Series: »Eine Hommage an Daniel Stabrawa«

30. Mai 2020

Berliner Philharmoniker
Daniel Stabrawa

  • Eine Hommage an Daniel Stabrawa – Teil 1 (4 Min.)

  • Andrzej Panufnik
    Konzert für Violine und Streichorchester (24 Min.)

    Daniel Stabrawa Violine

  • Eine Hommage an Daniel Stabrawa – Teil 2 (2 Min.)

  • Antonín Dvořák
    Terzett für 2 Violinen und Viola in C-Dur op. 74 (18 Min.)

    Daniel Stabrawa Violine, Krzysztof Polonek Violine, Ignacy Miecznikowski Bratsche

  • Eine Hommage an Daniel Stabrawa – Teil 3 (4 Min.)

  • Jean Sibelius
    Symphonie Nr. 4 a-Moll op. 63 (39 Min.)

    Sir Simon Rattle Dirigent

»Für mich war es schon als Kind klar, dass ich Geiger werden würde«, erzählte Daniel Stabrawa in einem Interview für die Digital Concert Hall. Seine Leidenschaft für das Instrument und die Musik prädestinieren ihn geradezu für diesen Beruf. 1983 wurde der gebürtige Krakauer Mitglied der Berliner Philharmoniker, 1986 übernahm er von Michel Schwalbé die Stelle des Ersten Konzertmeisters. Seither kennt ihn das Publikum der Berliner Philharmoniker vor allem in dieser Funktion, in der er so souverän wie unaufdringlich die Kommunikation zwischen Dirigent und Orchester koordiniert und immer wieder mit wunderbar gestalteten Solopassagen beindruckt. Auch als Solist tritt Daniel Stabrawa regelmäßig vor das Orchester. Zuletzt war er 2016 unter der Leitung von Sir Simon Rattle mit Karol Szymanowskis Zweitem Violinkonzert zu erleben. Mit Kirill Petrenko, Sir Simons Nachfolger als Chefdirigent der Philharmoniker, ist der Geiger ebenfalls als Solist aufgetreten: 2012 interpretierte er die Musik für Geige und Orchester des wenig bekannten und jung verstorbenen Komponisten Rudi Stephan.  

In einem Programm im Mai 2020 sollte der Musiker – der Mitte der 1990er-Jahre die Orchesterleitung für sich entdeckt hat – nicht nur als Sologeiger, sondern auch als Dirigent mit den Philharmonikern auftreten. Wegen der durch die Corona-Pandemie notwendigen Einschränkungen mussten allerdings die ursprünglich vorgesehenen Aufführungen von Mozarts Erstem Violinkonzert und Schuberts Fünfter Symphonie ausfallen. Andrzej Panufniks einziges Violinkonzert, das auch in der Originalfassung nur von einem Streichorchester begleitet wird, konnte aber wie geplant – wenn auch ohne Publikum – im Rahmen der Berlin Phil Series gespielt werden.

In Panufniks Komposition kommen gerade auch die gesanglichen und lyrischen Seiten der Violine zur Geltung. Der polnische Komponist hat das Stück Anfang der 1970er-Jahre für Yehudi Menuhin geschrieben: »Als mich Menuhin bat, für ihn ein Violinkonzert zu komponieren, dachte ich sofort an seine einzigartigen spirituellen und poetischen Qualitäten und fühlte, ich sollte ihm die Möglichkeit geben, diese seltenen Gaben zur Geltung zu bringen und seine tiefe innere Musikalität nicht durch virtuoses Feuerwerk zu verdecken.«

In zwei zusätzlich ins Programm aufgenommenen Werken ist Daniel Stabrawa auch als Kammermusiker und, in einer Archivaufnahme, als Konzertmeister mit dem kompletten Orchester zu erleben: Mit seinen philharmonischen Kollegen Krzysztof Polonek und Ignacy Miecznikowski interpretiert er Dvořáks ungewöhnlich besetztes Terzett für zwei Geigen und Bratsche. Im Miniaturformat lässt sich hier der melodische Einfallsreichtum, die Inspiration durch die tschechische Folklore und der Sinn für tänzerische Rhythmen erkennen, die den Komponisten auszeichneten.

Die längste Zeit spielte Daniel Stabrawa als philharmonischer Konzertmeister unter der Leitung von Sir Simon Rattle. Ihm ist der Geiger unter anderem für seine unermüdlichen Repertoire-Erkundungen und Wiederentdeckungen dankbar. Zu den Komponisten, die unter Herbert von Karajan eine wichtige Rolle spielten, gehört Jean Sibelius. Und mit Rattle prägte wieder ein leidenschaftlicher Fürsprecher des Komponisten die Geschicke des Orchesters. Zweimal hat der Dirigent in seiner Amtszeit alle Symphonien von Sibelius aufgeführt. Für das Konzert der Berlin Phil Series hat Stabrawa die Vierte ausgewählt: Anders als die viel berühmtere Fünfte endet diese nicht im Triumph, sondern verlischt nach einem ausgedehnten Prozess des Suchens, der die Tonalität zwar nicht verlässt, aber in seinem beharrlichen Umkreisen von Dissonanzen doch mit einem Fragezeichen versieht.

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