17. Apr 2021

Berliner Philharmoniker
Zubin Mehta

  • Olivier Messiaen
    Et exspecto resurrectionem mortuorum für Blasorchester und metallenes Schlagzeug (26 Min.)

  • Anton Bruckner
    Symphonie Nr. 9 d-Moll (67 Min.)

  • kostenlos

    Interview
    Zubin Mehta im Gespräch mit Stanley Dodds (28 Min.)

Anton Bruckner und Olivier Messiaen eint, dass ihre Instrumentalwerke einem religiösen Zweck dienten. Dabei galt die Instrumentalmusik seit der Wiener Klassik eigentlich als weltliche Angelegenheit. Es ist kein Zufall, dass Beethoven in seiner Neunten und Mendelssohn in seiner Zweiten Symphonie auf das von Solisten und Chören gesungene Wort zurückgriffen, um das Lob des Schöpfers anzustimmen. Für Bruckner und Messiaen hingegen stellten bestimmte Akkordverbindungen, harmonische Fortschreitungen und die Gesamt-Architektur ihrer Kompositionen den Ausdruck ihres tiefen Glaubens dar.

Seine Neunte und letzte Symphonie widmete Bruckner einer mündlichen Überlieferung zufolge »dem lieben Gott«. Noch auf dem Totenbett soll er darum gefleht haben, die für den Abschluss des Werks benötigte Zeit zu erhalten. Vergeblich. Bei seinem Tod hinterließ der Komponist nur drei vollendete Sätze und ein umfangreiches Skizzenmaterial für das Finale. Die Symphonie endet mit dem großartigen Adagio und ohne Rückkehr zur Grundtonart d-Moll.

Olivier Messiaen erhielt 1964 vom damaligen französischen Kulturminister André Malraux den Auftrag, Musik zum Andenken der Opfer beider Weltkriege zu schreiben. Den fünf Sätzen seiner mit Blasorchester und Schlagzeug ungewöhnlich besetzten Komposition Et exspecto resurrectionem mortuorum stellte er Bibelzitate voran. Der Titel, dessen Übersetzung »und ich erwarte die Auferstehung der Toten« lautet, ist Teil des Credo-Abschnitts im Text der lateinischen Messe.

Zubin Mehta hat sich mit den Berliner Philharmonikern in den vergangenen Jahren mehrfach den späten Symphonien Bruckners zugewandt. Auch Messiaens Komposition stand bereits einmal auf einem gemeinsamen Programm: 1980 stellte Mehta ihr mit Schuberts C-Dur-Symphonie ebenfalls ein großes Abschiedswerk gegenüber.

Zubin Mehta, 1936 in Bombay geboren, studierte an der Wiener Musikakademie bei Hans Swarowsky. Bereits mit Mitte 20 wurde der Preisträger des Dirigentenwettbewerbs in Liverpool (1958) und des Kussewitzky-Wettbewerbs in Tanglewood Music Director des Montreal Symphony Orchestra (1961 – 1967) und des Los Angeles Philharmonic Orchestra (1962 – 1978). 1961 hatte er zudem bei den Wiener und den Berliner Philharmonikern sowie beim Israel Philharmonic Orchestra debütiert. 1977 wurde er zum Chefdirigenten, 1981 zum Music Director auf Lebenszeit dieses Orchesters ernannt. Darüber hinaus war er lange Jahre Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker(1978 – 1991) sowie des Teatro del Maggio Musicale in Florenz(1985 – 2017). Mit dem 50-jährigen Jubiläum seines Debüts beim Israel Philharmonic Orchestra im Oktober 2019 hat Zubin Mehta diese Position aufgegeben.
Neben seinen Konzertverpflichtungen leitete Zubin Mehta Opernaufführungen an den renommiertesten Häusern. Zwischen1998 und 2006 war er Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper München. Zu seinen vielen Auszeichnungen zählen der »Preis für Frieden und Toleranz« der Vereinten Nationen (1999) und die Mitgliedschaft in der französischen Ehrenlegion (2001); 2012 erhielt er das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Er ist Ehrendirigent der Philharmoniker in Wien, München und Los Angeles, und des Teatro del Maggio Musicale Fiorentino, der Bayerischen Staatsoper sowie der Staatskapelle Berlin. Im Februar 2019 wurde er zum Ehrenmitglied der Berliner Philharmoniker ernannt, bei denen er zuletzt Anfang November 2019 Bruckners Achte Symphonie dirigierte.
Gemeinsam mit seinem Bruder Zarin hat Zubin Mehta in Bombay die Mehli Mehta Music Foundation mit dem Ziel gegründet, Kinder an klassische westliche Musik heranzuführen. Darüber hinaus engagiert er sich mit dem Israel Philharmonic Orchestra über die Buchmann-Mehta School of Music in Tel Aviv sowie im Rahmen eines Projekts in Shwaram und Nazareth für die Ausbildung junger Israelis und israelischer Araber.

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