Maxim Emelyanychev dirigiert Mendelssohn, Mozart und Haydn
Mit dem ebenso kantablen wie virtuosen Vierten Hornkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart stellt sich Yun Zeng, seit 2024 Solohornist der Berliner Philharmoniker, erstmals als Solist vor. Dirigent Maxim Emelyanychev setzt sich für Joseph Haydns galantes Klavierkonzert Nr. 11 selbst an den Hammerflügel, bevor er vom Pult aus dessen spannungsgeladene Symphonie Nr. 104 präsentiert. Zur Eröffnung erklingt Mendelssohns Meeresstille und glückliche Fahrt.
»Ich will das Publikum glücklich machen«, sagt Maxim Emelyanychev, »es geht weniger um die Aufführungspraxis, als um die Botschaft – die Freude –, die Mozarts Musik auch heute noch vermitteln kann«. Nach seinem Debüt 2022 ist der Dirigent und Pianist, der als Kind selbst den Spitznamen »Mozart« trug und heute international als Spezialist der Wiener Klassik gilt, wieder bei den Berliner Philharmonikern zu Gast. Gemeinsam mit Orchestermitglied Yun Zeng präsentiert er das Hornkonzert Nr. 4, das nach neueren Erkenntnissen wahrscheinlich eher das chronologisch zweite von insgesamt vier Hornkonzerten Mozarts ist. Zwischen 1783 und 1791 entstanden, sind alle diese Konzerte dem Hornisten Joseph Leitgeb gewidmet. Was den Familienfreund mit dem 23 Jahre jüngeren Komponisten verband, war ein ausgeprägter Sinn für Humor. Heiterkeit und Witz versprüht das Hornkonzert KV 495, auch Innigkeit und Anmut sprechen aus ihm. In blauer, roter, grüner und schwarzer Tinte notierte Mozart die Partitur und kennzeichnete so – zusätzlich zum Spaßfaktor – sehr feine dynamische Schattierungen.
Etwa zeitgleich schrieb Joseph Haydn sein Elftes Klavierkonzert, vermutlich sogar als Reaktion auf Mozarts Wirken in Wien. Es ist das bekannteste von Haydns Klavierkonzerten und eins der wenigen, die zu seinen Lebzeiten im Druck erschienen. Im Gegensatz zu vielen anderen Komponisten war Haydn kein Klaviervirtuose – der Schwerpunkt seiner Arbeit lag eindeutig in der Symphonik. Das Klavierkonzert Nr. 11 aber stellt ungewohnt virtuose Anforderungen an den Solisten und verblüfft mit einer fast romantischen Klangwelt im Adagio. Der Kopfsatz ist von einem eingängigen und energischen Hauptthema geprägt, nach dem kantabel ausschwingendem langsamen Satz folgt ein »Rondo all’Ungarese«, dessen Temperament seinerzeit besonders en vogue war.
Die anschließend erklingende Symphonie Nr. 104 kann als Krönung von Haydns symphonischen Schaffen gesehen werden. Sie ist nicht nur seine letzte Londoner, sondern auch seine letzte Symphonie überhaupt. Im Rentenalter schuf der Komponist in England dabei eines seiner großartigsten Werke – von unübertroffener Balance seiner Stilmittel bei perfekter formaler Proportion. Zugleich fasst sie brennspiegelartig alle individuellen Errungenschaften Haydns noch einmal abschließend zusammen. Nach dem überwältigenden Erfolg der Uraufführung im Mai 1795 berichtete Haydn: »Die ganze Gesellschaft war äußerst vergnügt und auch ich.«
»Tiefe Stille herrscht im Wasser, / Ohne Regung ruht das Meer« – mit diesen Worten beginnt eines der beiden Gedichte Goethes, die Felix Mendelssohn Bartholdy als Konzert-Ouvertüre vertonte. Das atmosphärische »Tongemälde«, wie seine Zeitgenossen Meeresstille und glückliche Fahrt nannten, setzt zu Beginn des Programms einen Kontrast und zeigt zugleich, wo das Schiff der Wiener Klassik im 19. Jahrhundert stilistisch anlegen sollte.
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