Mikko Franck dirigiert Schumanns »Das Paradies und die Peri«

Mikko Franck dirigiert Schumanns »Das Paradies und die Peri«
Das gewählte Konzert wird bearbeitet und steht in Kürze zur Verfügung.

19. Mai 2018

Berliner Philharmoniker
Mikko Franck

Sally Matthews, Mark Padmore, Anna Prohaska, Gerhild Romberger, Andrew Staples, Christian Gerhaher

  • Robert Schumann
    Das Paradies und die Peri op. 50

    Sally Matthews Sopran (Peri), Mark Padmore Tenor (Erzähler), Anna Prohaska Sopran (Jungfrau), Gerhild Romberger Alt (Engel), Andrew Staples Tenor (Jüngling), Christian Gerhaher Bariton (Gazna), Rundfunkchor Berlin, Gijs Leenaars Chor-Einstudierung

Es war eines der großen Chorwerke des 19. Jahrhunderts: Mit Das Paradies und die Peri gelang Robert Schumann ein – wie er selbst erklärte – »neues Genre für den Concertsaal«. Nicht Oper, nicht Oratorium, aber sich an beiden Gattungen orientierend, besitzt das Stück all das, was ein grandioses Vokalwerk der Romantik ausmacht: wirkungsvolle Chorszenen, innige, lyrische, liedhaft gestaltete Solonummern und einen Orchesterapparat, der Schumann auf der Höhe seiner Instrumentationskunst zeigt. Der Hörer wird durch sämtliche Emotionen des menschlichen Seins geführt: Trauer, Verzweiflung, Hoffnung, Liebe, Reue, Freude…

Die Handlung, die an exotischen Schauplätzen in Indien, Syrien und Afrika spielt, basiert auf dem Epos Lalla Rookh des irischen Dichters Thomas Moore. Schumann kannte die Dichtung bereits seit seiner Jugend und notierte sie als möglichen Opernstoff in sein »Projektbuch«. Doch erst als ihn ein Freund auf die Eignung des Sujets hinwies und ihm seine Übersetzung offerierte, entschloss sich Schumann zur Vertonung. Die Peri ist eine Außenseiterin der Gesellschaft: das Kind eines gefallenen Engels und einer Sterblichen, dem ein Platz im Paradies verwehrt wird. Erst nach einer Reihe von Prüfungen wird die Peri geläutert und in die Reihe der Seligen aufgenommen

Schumann selbst hielt das Stück, das ihm bei der Uraufführung 1843 einen triumphalen Erfolg bescherte und ihn als führenden Komponisten seiner Zeit auswies, für eine seiner gelungensten Schöpfungen. Nach großen Erfolgen zu seinen Lebzeiten geriet das Werk allerdings später fast vollständig in Vergessenheit. Zu seinen Bewunderern gehörte der italienische Dirigent Carlo Maria Giulini, der das Stück 1976 auch mit den Berliner Philharmonikern aufführte. 2009 nahm sich das Orchester unter der Leitung von Sir Simon Rattle, einem großen Verehrer von Schumann, des Werks wieder an. In diesen Aufführungen werden die Berliner Philharmoniker unter der Stabführung von Mikko Franck, der für Simon Rattle einspringt, vom Rundfunkchor Berlin und von einem hochkarätig besetzten Solistenensemble unterstützt, darunter mit Mark Padmore der aktuelle Artist in Residence sowie Christian Gerhaher, Artist in Residence der Saison 2013/2014.

»...ein neues Genre für den Concertsaal«

Das Paradies und die Peri von Robert Schumann

Leipzig, im Jahre 1843. Im Hause von Robert und Clara Schumann herrscht – sieht man von dräuenden finanziellen Sorgenwolken einmal ab – endlich Ruhe. Vorbei sind die Zeiten der stürmischen Leidenschaften und Leiden, vorbei die Zeit der Fremdbestimmung. Bislang hatten die schweren Auseinandersetzungen mit Claras Vater Eingang in die Werke dieses romantischsten Komponisten Deutschlands gefunden. Das Klavier diente Schumann als Katalysator seiner existenziellen Wünsche, Hoffnungen und Verzweiflungen. Bis zu seinem Faschingsschwank aus Wien schrieb er nichts anderes als Kompositionen für dieses Instrument. Nachdem er mit Clara endlich vor den Traualtar getreten war, veränderte sich sein Komponieren dann schlagartig. Nach der Eheschließung schuf er zwei Symphonien, aber auch das erst, nachdem er anno 1840 nichts als Lieder zu Papier gebracht hat: Heines Dichterliebe, die Rückert-Lieder, die Myrthen, die Kerner-Lieder oder die beiden Liederkreise auf Eichendorff und nochmals Heine.

1843 ist diese Phase weitgehend abgeschlossen. Die Musikwissenschaft irrt nicht, wenn sie behauptet, dieses Jahr sei der Wendepunkt im stilistischen Bewusstsein Schumanns. Ein Werk steht dafür ein: das weltliche Oratorium Das Paradies und die Peri. Die Uraufführung des Werks im Dezember 1843 unter der Leitung des Komponisten war bei Publikum und Kritik ein uneingeschränkter Erfolg. Erst in der späteren Rezeption wurde es mehr und mehr an den Rand gedrängt, ab und an als Oper aufgeführt. Doch die Gattungsfrage stellt sich im Grunde nicht. Das Paradies und die Peri ist durch und durch ein Oratorium. Form und Inhalt zeigen dies. Fragwürdiger im positiven Sinn ist schon eher die Bezeichnung »weltlich«. Denn die Geschichte, auf der das Oratorium basiert, trägt unverkerkennbar sakrale Züge. Wobei die Vorlage davon absieht und die Geschichte im Exotischen verortet: Das Libretto gründet auf einer Verserzählung des 1817 veröffentlichten Orient-Epos‘ Lalla Rookh (zu deutsch: Tulpenwange) von Thomas Moore – ein Zyklus von erfundenen Märchen, inspiriert durch die damals vorherrschende Orient-Schwärmerei vieler Künstler.

Es ist möglich, dass Schumann die Geschichte bereits in seiner Jugend in Zwickau kennenlernte. Zur Vertonung des Stoffes entschloss er sich aber erst später. Interessant daran ist, dass er zunächst daran dachte, das Sujet für eine Oper zu verwenden. Nachdem er aber die Übersetzung seines Freundes Emil Flechsig gelesen und als Libretto konstituiert hatte, wurde ihm klar, dass sich dieser Stoff für ein Werk des Musiktheaters nicht eignete. Mitte Juni 1843 war die Komposition abgeschlossen – und ein Meisterwerk entstanden, dass seine Nähe zu den zuvor entstandenen Lied-Zyklen beinahe zu keiner Sekunde leugnet, aber doch eine völlig andere Ausrichtung hat.

Das Paradies und die Peri, das man sich als eine Art Triptychon mit einem lyrischen Zentrum und zwei bewegteren Eckteilen denken kann, ist in Form und Inhalt ausgewogen, verbindet solistische wie chorische Passagen auf kunstvolle Art zu einem organischen Ganzen, das sich klar als Oratorium zu erkennen gibt und lediglich in einigen Chorpassagen opernhafte Züge trägt. Als Meister seines Fachs erweist sich Schumann in der Gestaltung der Übergänge zwischen den einzelnen Nummern. Anders als in seinem Frühwerk finden sich hier so gut wie keine abrupten Veränderungen. 90 Minuten ist dieses Werk im Fluss, als Zäsuren dienen lediglich die Schlüsse der jeweiligen Abschnitte. Gewissermaßen als Leitfaden hat Schumann der Partitur verschiedene Klangsymbole einkomponiert, die immer wieder auftauchen und dem Werk sein Rückgrat geben. Neu an diesem Oratorium ist der fast gediegene Tonfall, der zwischen pastoraler Lieblichkeit und Unbekümmertheit (wie etwa zu Beginn des dritten Teils) und einem gemessenen, beinahe spirituellen Habitus changiert und damit auf überzeugende Weise weltliche wie geistliche Elemente in eins zu setzen weiß.

Man darf Schumann Recht geben, wenn er kurz vor Vollendung des Oratoriums schreibt, bei Das Paradies und die Peri handle es sich um »ein neues Genre für den Concertsaal«. Eben dorthin gehört das Werk, zumal Schumann an anderer Stelle davon spricht, dass es nicht für den »Betsaal« komponiert sei, sondern »für heitre Menschen«.

Der finnische Dirigent Mikko Franck wurde 1979 in Helsinki geboren und begann im Alter von fünf Jahren mit dem Violinspiel. Er studierte von 1992 an zunächst Geige an der Sibelius-Akademie; 1995 begann er mit dem Dirigierunterricht bei Jorma Panula; weitere Studien führten ihn nach New York, Israel und Schweden. Seither hat er bei vielen renommierten Orchestern – darunter in Deutschland bei den Münchner Philharmonikern und beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin – und führenden Opernhäusern gastiert. Von 2002 bis 2007 war er Chefdirigent des Orchestre National de Belgique, und in den Jahren 2006 bis 2013 Generalmusikdirektor sowie (von 2007 an) künstlerischer Leiter der Finnischen Nationaloper. Neben seinen dortigen Aktivitäten leitete Mikko Franck auch Aufführungen am Opernhaus Zürich, an der Metropolitan Opera, New York, und am Royal Opera House, Covent Garden. Mehrfach war er an der Wiener Staatsoper zu Gast, wo er u. a. La Bohème, Salome, Lohengrin, Tristan und Isolde, Elektra, Tosca und Die tote Stadt dirigierte. Im September 2015 übernahm der Künstler die musikalische Leitung des Orchestre philharmonique de Radio France, mit dem er in der vergangenen Spielzeit auch auf Tournee in Europa und Asien war. Seit Beginn dieser Spielzeit ist er außerdem Erster Gastdirigent der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom. Am Pult der Berliner Philharmoniker stand Mikko Franck erstmals im Februar 2003 mit Werken von Maurice Ravel und Dmitri Schostakowitsch; zuletzt dirigierte er das Orchester im Januar dieses Jahres in zwei Konzerten mit Maurice Ravels L’Enfant et les Sortilèges. Im Februar 2018 wurde Mikko Franck zum Goodwill Ambassador für UNICEF Frankreich ernannt.

Sally Matthews ist Gewinnerin des renommierten Kathleen Ferrier Award 1999. Sie studierte Gesang an der Guildhall School of Music and Drama in London und gehörte von 2001 bis 2003 zum Vilar Young Artist Programme des Royal Opera House, Covent Garden, in dessen Rahmen sie 2001 ihr Debüt als Nannetta in Verdis Falstaff gab (Dirigent: Bernard Haitink). Seitdem sang sie an diesem Haus Partien wie Pamina (Die Zauberflöte), Fiordiligi (Così fan tutte), Sifare (Mitridate), Anne Truelove (The Rake’s Progress) und Blanche (Les Dialogues des Carmélites). Weitere Engagements führten Sally Matthews u. a. an die Wiener Staatsoper, an die Berliner Staatsoper Unter den Linden, an das Théâtre Royal de la Monnaie Brüssel und an die Nederlandse Opera Amsterdam. Das facettenreiche Repertoire der Sängerin schlägt einen Bogen von der Alten Musik über Werke von Haydn, Mozart, Schumann, Dvořák, Mahler, Strawinsky und Messiaen bis hin zum Schaffen zeitgenössischer Komponisten. So war sie bei den Salzburger Festspielen 2016 im Rahmen der Uraufführung von Thomas Adès’ The Exterminating Angel als Sally zu erleben – eine Partie, die sie anschließend auch an der Metropolitan Opera New York und am Royal Opera House, Covent Garden, sang. Als Konzert- und Liedsängerin ist Sally Matthews ebenfalls aktiv. Mit dem Pianisten Simon Lepper gibt sie regelmäßig Rezitals am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel, im Concertgebouw Amsterdam sowie in der Londoner Wigmore Hall. Nach ihrem Debüt bei den Berliner Philharmonikern in den Konzerten zum Jahresende 2004 mit Orffs Carmina Burana war Sally Matthews zuletzt Anfang November 2014 Gast des Orchesters. Sir Simon Rattle dirigierte Szymanowskis Stabat Mater und Beethovens Neunte Symphonie.

Anna Prohaska studierte in Berlin an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« bei Norma Sharp und Brenda Mitchell sowie in der Liedinterpretationsklasse von Wolfram Rieger. Außerdem nahm sie 2003 an der Académie Européenne de Musique in Aix-en-Provence und 2006 an der Internationalen Händel-Akademie in Karlsruhe teil. Als 17-Jährige debütierte die Sopranistin an der Komischen Oper Berlin, mit 23 Jahren sang sie erstmals an der Staatsoper Unter den Linden. Zu ihrem breit gefächerten Bühnenrepertoire zählen Rollen in Werken von Debussy, Gluck, Händel, Mozart, Poulenc, Rihm, Strauss, Verdi, Wagner und Widmann. An der Staatsoper Unter den Linden, zu deren Ensemble sie seit der Spielzeit 2006/2007 gehört, übernahm die Künstlerin unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, René Jacobs u. a. Partien wie Anne Trulove (The Rake’s Progress), Susanna (Le nozze di Figaro), Sophie (Der Rosenkavalier) und Despina (Così fan tutte). Außerdem gastiert Anna Prohaska an großen Opernhäusern (Royal Opera House, Covent Garden, Teatro alla Scala, Opéra National de Paris, Bayerische Staatsoper München) und tritt bei den Festspielen in Salzburg, Luzern, Edinburgh, Aix-en-Provence, London und Amsterdam auf. In der Spielzeit 2015/2016 war sie Portraitkünstlerin des Konzerthauses Dortmund; 2016/2017 stand sie im »Focus« der Alten Oper Frankfurt; in dieser Saison ist sie Artist in Residence der Philharmonie Luxemburg. Seit ihrem Debüt in Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker Mitte Juni 2007 war Anna Prohaska wiederholt als Solistin des Orchesters und mit philharmonischen Kammerensembles zu erleben – zuletzt im Februar 2017 im Rahmen von György Ligetis Oper Le Grand Macabre (Regie: Peter Sellars); Dirigent war Sir Simon Rattle.

Gerhild Romberger, im Emsland geboren und aufgewachsen, studierte an der Hochschule für Musik in Detmold zunächst Schulmusik und absolvierte dann eine Gesangsausbildung bei Heiner Eckels, die sie in Kursen für Liedgestaltung bei Mitsuko Shirai und Hartmut Höll ergänzte. Seit 2003 ist sie selbst als Professorin für Gesang an der Hochschule für Musik Detmold tätig. Ihren künstlerischen Schwerpunkt legte Gerhild Romberger frühzeitig auf den Konzertgesang. Ihr weitgespanntes Repertoire umfasst alle großen Alt- und Mezzo- Partien des Oratorien- und Konzertgesangs vom Barock über die Klassik und Romantik bis hin zur Literatur des 20. Jahrhunderts. Ihre Arbeit mit dem Los Angeles Symphony Orchestra unter der Leitung von Herbert Blomstedt, dem Leipziger Gewandhausorchester und Riccardo Chailly sowie Konzerte mit Manfred Honeck waren wichtige Stationen vergangener Jahre. Außerdem war sie Gast bei den Wiener und Bamberger Symphonikern, beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks sowie an der Mailänder Scala. In den Eröffnungstagen der Hamburger Elbphilharmonie war sie mit dem von Thomas Hengelbrock geleiteten NDR Elbphilharmonie Orchester in Mahlers Zweiter sowie mit den Wiener Philharmoniker in Karl Amadeus Hartmanns Erster Symphonie zu erleben (Dirigent: Ingo Metzmacher). In Konzerten der Berliner Philharmoniker sang Gerhild Romberger zuletzt Mitte Juni 2014; Gustavo Dudamel dirigierte Gustav Mahlers Dritte Symphonie.

Mark Padmore wurde zunächst als Klarinettist ausgebildet, bevor er 1979 am King’s College in Cambridge ein Gesangsstudium aufnahm. 1991 begann seine enge Zusammenarbeit mit William Christie und Les Arts Florissants sowie 1992 mit Philippe Herreweghe und dem Collegium Vocale Gent. Insbesondere als Evangelist und Tenorsolist in den bachschen Chorwerken gelangte Mark Padmore bald zu Weltruhm. Doch auch als Operninterpret machte der Sänger von den 1990er-Jahren an zunehmend von sich Reden: Er war in Peter Brooks Inszenierung des Don Giovanni in Aix-en-Provence zu erleben, gastierte als Tom Rakewell in Strawinskys The Rake’s Progress am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel und wirkte in Aufführungen von Händels Jephtha an der English National Opera mit. Zudem übernahm er die Hauptpartien in Harrison Birtwistles Opern The Corridor und The Cure beim Aldeburgh Festival bzw. im Linbury Studio Theatre, Covent Garden. Mark Padmore ist u. a. bei den Philharmonikern in Wien und New York, beim London und beim BBC Symphony Orchestra sowie beim Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam aufgetreten; er konzertiert regelmäßig mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment und der Britten Sinfonia. Als Liedinterpret arbeitet er beispielsweise mit den Pianisten Paul Lewis, Till Fellner, Julius Drake und Roger Vignoles zusammen. In der Saison 2016/2017 prägte Mark Padmore als Artist in Residence das Programm des BR-Symphonieorchesters München. In den Konzerten der Berliner Philharmoniker, bei denen der Sänger in dieser Spielzeit nun die gleiche Position einnimmt, war er zuletzt Anfang April im Kammermusiksaal mit Werken von Schumann, Wigglesworth und Janáček zu hören. Mark Padmore ist künstlerischer Leiter des St. Endellion Summer Music Festival in Cornwall.

Andrew Staples sang als Knabe im Chor der Londoner St. Paul’s Cathedral, bevor er sein Musikstudium am King’s College in Cambridge absolvierte. Als Stipendiat der Britten-Pears Foundation setzte er seine Ausbildung am Royal College of Music in London und an der Britten International Opera School fort. Mit einem Repertoire, zu dem Werke von Händel, Haydn, Mozart, Beethoven, Strauss, Britten und Tavener zählen, gastiert Andrew Staples an den führenden Opern- und Konzerthäusern sowie bei renommierten Festivals. Sein Debüt am Royal Opera House, Covent Garden, in London gab er als Jaquino (Fidelio) und kehrte dorthin als Flamand (Capriccio), Tamino (Die Zauberflöte), Artabenes (in Thomas Arnes Artaxerxes) und Narraboth (Salome) zurück. Weiterhin sang er u. a. am Nationaltheater in Prag, der Hamburgischen Staatsoper, der Lyric Opera Chicago sowie am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel, bei den Salzburger Festspielen war er als Don Ottavio (Don Giovanni) zu erleben. Als Konzertsänger gastierte Andrew Staples bei den Wiener Philharmonikern, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem BBC Symphony Orchestra, dem London Symphony Orchestra, dem Scottish Chamber Orchestra und den Rotterdamer Philharmonikern; hierbei arbeitete er mit Dirigenten wie Andrew Manze, Semyon Bychkov und Yannick Nézet-Séguin zusammen. Bei den Berliner Philharmonikern gab er sein Debüt Anfang Februar 2009 unter der Leitung von Simon Rattle; zuletzt war Andrew Staples im April 2018 in drei von Daniel Harding dirigierten Konzerten Dirigent zu erleben. Auf dem Programm stand u. a. Mozarts Rezitativ und Arie »Misero! O sogno« – »Aura, che intorno spiri« KV 431 sowie die Messe c-Moll KV 427.

Bereits während seines Medizinstudiums erhielt Christian Gerhaher privaten Gesangsunterricht von Raimund Grumbach und Paul Kuen; zudem studierte er gemeinsam mit seinem festen Klavierbegleiter Gerold Huber Liedgesang bei Friedemann Berger an der Münchner Hochschule für Musik. Meisterkurse bei Dietrich Fischer-Dieskau, Elisabeth Schwarzkopf und Inge Borkh rundeten seine stimmliche Ausbildung ab. Mit Liedrezitals und als Solist führender Orchester (z. B. des London Symphony Orchestra, der Wiener, der Münchner und der Berliner Philharmoniker sowie des Royal Concertgebouw Orchestra) gastiert Christian Gerhaher auf bedeutenden Podien im In- und Ausland. Partien wie Mozarts Don Giovanni, die Titelrolle von Monteverdis Orfeo, Wolfram (Tannhäuser), Eisenstein (Die Fledermaus), Pelléas (Pelléas et Mélisande), Posa (Don Carlo), Olivier (Capriccio) und Wozzeck stehen für die große künstlerische Bandbreite des Baritons. Dirigenten, mit denen Christian Gerhaher zusammengearbeitet hat, waren u. a. Riccardo Chailly, Nikolaus Harnoncourt, Mariss Jansons, Kirill Petrenko und Sir Simon Rattle. Bei den Berliner Philharmonikern war er seit seinem Debüt im Dezember 2003 wiederholt zu hören, u. a. als Artist in Residence der Saison 2013/2014 und zuletzt im Oktober 2016 in Aufführungen von Mahlers Lied von der Erde (Dirigent: Bernard Haitink). Christian Gerhaher, Träger des Bayerischen Maximiliansordens für Wissenschaft und Kunst, unterrichtet als Honorarprofessor an der Münchner Musikhochschule sowie im Rahmen von Meisterklassen. Für seinen außerordentlichen Einsatz in der Vermittlung von klassischer Musik wurde ihm der Musikpreis des Heidelberger Frühlings 2016 verliehen. Seine Lied-Einspielungen mit Gerold Huber wurden mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem »Gramophone Award« (2006 und 2015) sowie mit dem Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik (2010).

Mit rund 60 Konzerten jährlich und internationalen Gastspielen, darunter 2016 eine gefeierte Residenz beim White Light Festival des Lincoln Center in New York sowie die erste Südamerikatournee, zählt der Rundfunkchor Berlin zu den herausragenden Chören des internationalen Konzertlebens. 1925 in Berlin gegründet, feierte er 2015 sein 90-jähriges Bestehen. Ein breites Repertoire und ein reich nuanciertes Klangbild machen den Profichor zu einem begehrten Ensemble für bedeutende Orchester und Dirigenten in aller Welt; in Berlin bestehen langjährige Kooperationen mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, dem Deutschen Symphonie-Orchester und den Berliner Philharmonikern. Eine rege Aufnahmetätigkeit und viele Auszeichnungen, darunter drei »Grammy Awards«, dokumentieren den großen Erfolg dieser Arbeit. Gemeinsam mit Künstlern unterschiedlicher Disziplinen erschließt der Chor jedes Jahr mit einer spartenübergreifenden Produktion neue Erlebnisweisen von Chormusik: So stieß 2012 die szenische Umsetzung des Deutschen Requiems von Johannes Brahms durch Jochen Sandig und ein Team von Sasha Waltz & Guests auf große Beachtung. Mit zahlreichen Aktivitäten im Bildungs- und Erziehungsbereich wie dem jährlichen Mitsingkonzert in der Philharmonie, der Liederbörse für Kinder und Jugendliche oder dem Grundschulprojekt SING! möchte der Chor möglichst viele Menschen zum Singen bringen; zudem setzt er sich auch für professionelle Nachwuchssänger ein. Seit seiner Gründung wurde das Vokalensemble von Dirigenten wie Helmut Koch, Dietrich Knothe, Robin Gritton und Simon Halsey geprägt; mit Beginn der Spielzeit 2015/2016 übernahm Gijs Leenaars die Position des Chefdirigenten und künstlerischen Leiters. Bei den Berliner Philharmonikern gastierte der Rundfunkchor Berlin zuletzt Anfang April 2018 in konzertanten Aufführungen von Richard Wagners Parsifal; Dirigent war Sir Simon Rattle.

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