Konzert

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1971 stand Mariss Jansons zum ersten Mal am Pult der Berliner Philharmoniker, nachdem er beim Karajan-Dirigentenwettbewerb den zweiten Preis gewonnen hatte. Fünf Jahre später folgte das »offizielle« Debüt im Scharoun-Bau, und seitdem ist der lettische Dirigent ein regelmäßiger und gern gesehener Gast des Orchesters. Bei seinem ersten Waldbühnenkonzert im Juni 1994 entwarf er mit Werken von Schubert, Brahms, Liszt, den Walzer-Sträußen, Richard Strauss, Smetana und Enescu ein klingendes Bild der Donaumonarchie im 19. Jahrhundert.

An einem Abend unter dem Motto »A Night of Dances and Rhapsodies« durfte der Wiener Walzer natürlich nicht fehlen. Zu hören ist er in der Ouvertüre zur Fledermaus von Johann Strauß Sohn oder in der Walzerfolge aus Richard Strauss’ Rosenkavalier (wobei es sich hier allerdings um einen Anachronismus handelt: die Oper spielt im Wien unter Maria Theresia, als der Walzer noch gar nicht »erfunden« war). Der »Walzerkönig« ist daneben noch mit der Schnellpolka Unter Donner und Blitz vertreten, und sein Vater steuert den vielleicht berühmtesten Marsch aller Zeiten bei, geschrieben zu Ehren von Feldmarschall Josef Wenzel Graf Radetzky von Radetz.

Zum Vielvölkerreich der Habsburger gehörten auch Ungarn, Rumänen und Böhmen, deren Musik westeuropäische Komponisten wie Johannes Brahms und Franz Liszt (der zwar in Ungarn geboren wurde, aber kein Wort Ungarisch sprach) zu ihren »ungarischen« Werken inspirierte. Sie huldigten damit der damaligen Mode für exotische Rhythmen und Klangfarben, während es ihren Kollegen Bedřich Smetana und George Enescu darum ging, ihren jeweiligen Völkern auch musikalisch eine eigene Stimme zu geben.

Ein besonderes Highlight in diesem Waldbühnenprogramm ist ohne Frage Liszts Bearbeitung der Wanderer-Fantasie von Franz Schubert, die aus dem frei schweifenden Klavierwerk ein hochvirtuoses Bravourstück mit Orchester macht. In der Waldbühne brillierte darin der aus Taschkent stammende und in Paris lebende Pianist Mikhail Rudy, ein langjähriger musikalischer Weggefährte von Mariss Jansons.

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